NEO: The World Ends with You – im Test (PS4 / Switch)

vor 4 Monate 107

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Etwas kurios ist es ja schon, dass ein Spiel, an dem unter anderem der führende Mann von Kingdom Hearts”und Final Fantasy die kreativen Finger im Spiel hatte, Zeit seiner Existenz als Geheimtipp gilt. Aber das erste The World Ends with You für den DS war ebenso eigenwillig – nicht zuletzt durch die starke Verknüpfung mit den Besonderheiten der Hardware –, sodass es auch beim Final Remix 2018 auf der Switch nicht zur Massentauglichkeit gereicht hat. Square Enix verzagt aber nicht, sondern setzt darauf, dass es der eigenwillige Charme bei der NEO-Fortsetzung zusammen mit einer neuen Truppe und einem frischen Kampfsystem richten wird, um das (vermutlich letzte) The World Ends with You für alte Fans wie Neueinsteiger interessant zu machen. Ein Ziel, das aus unserer Sicht als erreicht bezeichnet werden kann.

NEO greift das Grundprinzip der Vorlage wieder auf: Ihr schlüpft in die Rolle des ”Spielers” ­Rindo, der nach seinem Ableben im Spiel der Reaper antreten muss, um als Sieger die Möglichkeit zu haben, wieder in die Welt der Lebenden zurückkehren zu können. An seiner Seite ist Kumpel Fret, bald gesellen sich noch ­andere Mitstreiter dazu – anders als beim Vorgänger seid Ihr diesmal nicht alleine oder höchstens als Duo unterwegs, sondern bildet ein Team mit (fast) immer vier oder mehr Mitgliedern. Diese Änderung wie auch alle Grundregeln des Reaper-Spiels bekommt Ihr im Rahmen der Geschichte bald erklärt, bevor es erst so richtig losgeht mit allerlei Wendungen und Überraschungen. Die Macher haben ausreichend darauf geachtet, dass Debütanten nicht ratlos im Regen stehen gelassen werden. Wer aber von früher Vorkenntnisse mitbringt, ist im Vorteil und kann diverse Andeutungen und wiederkehrende alte Gesichter besser einordnen, was mit fortschreitender Spielzeit doch sichtlich an Relevanz gewinnt.

Schauplatz der Geschichte ist der bekannte Tokio-Stadtteil Shibuya, wo Ihr Euch im ersten Moment auf der bekannten Kreuzung wiederfindet. Aber die umliegenden Bereiche sind zugleich etwas abstrakt und doch klar wiedererkennbar aufbereitet: Dank auch mal eigenwilliger Kamerawinkel und kuriosen Perspektivenkrümmungen bekommt die Umgebung einen ganz eigenen Charme verpasst.

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Bei der Navigation tun sich Ortskundige dank aus der Realität übernommener Schauplätze und Läden wie Tower Records oder MODI etwas leichter – auch zwischendurch eingestreute Mini-Quiz-Missionen setzen eine Prise Ortskenntnis oder Lernwillen voraus.

Bei den normalen Erkundungstouren eilt nur Rindo durch die 3D-Kulissen, während der Gefechte tummeln sich Eure ganze Runde sowie mehrere ”Noise”-Gegner in der Arena – nicht die einzige Neuerung im kräftig umgekrempelten Kampfystem von NEO. Steuerungsgimmicks bleiben diesmal außen vor, dafür kontrolliert Ihr alle Mitglieder des Teams mehr oder weniger gleichzeitig: Jedem Charakter wird ein Button zugewiesen, mit dem Ihr seine Attacke (symbolisiert durch einen Ansteck-Pin) auslöst. So könnt Ihr also alle ­potenziell gleichzeitig angreifen lassen, aber nur jeweils einen bewegen, während der Rest eigenständig herumwuselt. Ein wenig lässt sich das mit Yakuza: Like a Dragon vergleichen, aber eben in Echtzeit statt rundenweise und vor allem sehr viel dynamischer und wilder. Wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist es, Eure Attacken geschickt zu koordinieren, um wirksame Kombinationen aufzubauen und den Team-”Groove” zu erhöhen, damit noch deutlich stärkere Gruppenangriffe verfügbar werden. Das kann im Eifer des Gefechts ganz schön chaotisch geraten, hat aber erkennbar System und Tiefgang. Außerdem sammelt Ihr laufend neue Pins oder verbessert alte, wodurch eine Vielzahl möglicher Attacken verfügbar wird – wer sich darauf einlässt, findet eine Menge Experimentierpotenzial.

Auch sonst steckt viel in NEO: Neben den Story-Missionen erledigt Ihr allerlei Nebentätigkeiten, frönt dem Kommerz mit Klamottenkauf und Nahrungsaufnahme (beides elementare Dinge zur Steigerung Eurer ­Charakterwerte) und bekommt immer wieder ­­Gelegenheiten, die psychischen Spezialkräfte Eurer Truppe ­einzusetzen. Rindo kann etwa durch die Zeit reisen (was ­allerdings meist recht linear umgesetzt wird), während Fret per Mini-Puzzle Menschen Erinnerungen entlockt.

Screenshots

Meinung

Ulrich Steppberger meint: Im Gegensatz zu Thomas habe ich das erste TWEwY nicht gespielt, bin also quasi ”unbelastet” an NEO herangegangen und finde: Das funktioniert ohne unüberwindbare Verständnishürden und Vorkenntnisse – die nicht gerade unkomplizierte Story kapiert man trotzdem. Gelockt haben mich aber vor allem die interessant in Szene gesetzten Kulissen und die krawalligen Gefechte: Die fallen zwar immer wieder mal chaotischer aus, als es vielleicht notwendig wäre, verknüpfen aber Knöpfchenhämmern klug mit viel Tiefgang. Einfach nur Draufhauen reicht für kleinere Gegner, aber spätestens bei den Bossen lohnt es sich, eine durchdachte Pin-Kombination einzusetzen. NEO hat mich bis zum Finale motiviert, auch wenn der Weg dahin manchmal stockt: Hier und da wird arg viel gefaselt und einige Missionen ziehen sich in die Länge – aber insgesamt war es ein cooles Erlebnis.

Thomas Nickel meint: Die Stimmung ist fantastisch – Shibuya sieht großartig aus, das Design der Figuren ist super und der Soundtrack wieder ein absolutes Brett. Aber inhaltlich wirkt sich der ”Tetsuya-Nomura-Faktor” wieder aus. So sind Kenntnisse des Erstlings und auch des Sekundärmaterials alles andere als verkehrt. Und es fühlt sich ein wenig an, als wären hier zwei separate Spiele kollidiert: NEO möchte einerseits die Geschichte von Neku & Co. weiter­erzählen, aber da sind eben auch Rindo und seine sympathische Truppe – die kommen in der zweiten Hälfte des Spiels etwas zu kurz. Allerdings ist das Kritik auf hohen Niveau. Das neue The World Ends With You ist ein würdiger Nachfolger des DS-Geheimtipps und hinter der poppig-bunten Fassade verbirgt sich eine eigentlich sehr menschlich-persönliche Geschichte.

Wertung

  • dynamisches Kampfsystem mit viel Flexibilität und noch mehr Action
  • eigenwillige und schicke Interpretation von Shibuya als Schauplatz
  • auch ohne Vorkenntnisse verständlich
  • Vorkenntnisse nicht nötig, aber sinnvoll

Stylishes Action-Rollenspiel, das mit flotten Gefechten, ordentlich Tiefgang und viel Drumherum alte Fans erfreut, aber auch Neueinsteiger abholt.

Singleplayer83
Multiplayer
Grafik
Sound

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